sanftes zittern

sanftes zittern, Pusteblume, löwenzahn, worte, schreiben, gedicht, lyrik, liebe, glück, foto

als ich diese zeilen schreibe
stehst du hinter meinem rücken
meine fliegenden worte erhaschend
siehst, wie sie in schwarzer tinte gekleidet
ihren tanz beginnen und
am ende des gedichts
erschöpft, außer atem, hand in hand,
mit geschlossenen lidern
auf dem weißen blatt ruhen
in ihren schwarzen kleidern
geduldig, aber leicht zitternd
flach atmend, auf dein urteil wartend—
sie haben gesagt, was sie sagen wollten

du stehst hinter meinem rücken
hauchst mir einen kuss auf auf die schulter
ein sanftes zittern erfasst auch mich
als wäre ich ein wort unter den vielen,
die vollendet auf dem weißen blatt liegen
auf dein urteil wartend—

und ich … auch ich warte
auf ein wort von dir
nicht nur …
ich warte auf mehr …

 

©Sella Moll /2019

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wenn die worte fehlen

wenn die worte fehlen, züge rasen, das leben, schicksal, glück, unglück, der zug des lebens, freude, leid, dankbarkeit, das leben ist unberechenbar, worte verstummen, das leid findet keine worte, kurzprosa, foto, gleise, eisenbahn,

worte rasen durch mein leben, alles was ich gesagt bekommen, alles was ich je gedacht, aber nicht immer gesagt hab‘ … worte, die wehgetan, die glücklich gemacht hatten, in vielen zügen hineingestopft rasen sie in allen himmelsrichtungen, querdurch in meinem leben, manchmal unterirdisch, im dunkel, ohne hoffnung, manchmal heben sie ab, berühren sterne und den mond, spüren die magie der wunder, die schwere und die leichtigkeit des seins. von allem, was es so gibt, tragen die worte etwas bei sich, aber vieles nicht, was andere trifft oder betrifft — das ganz schlimme, das ganz schwere nicht. ich hoffe, dass es so bleibt, und bin dankbar dafür, man weiß nie, was geschieht, oft so schnell, dass man es gar nicht begreift, weil dann die worte fehlen — wo sind sie, im welchen zug des lebens? man hört sie nicht mehr; das leid findet keine worte, das ganz schlimme, ganz schwere hat sie stumm und unsichtbar gemacht …

 

©Sella Moll /2019

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ich hab‘ ein gedicht verloren

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ich hab‘ ein gedicht
verloren
es war spät und
es war dunkel, die straßen leer
die menschen in ihren häusern
ich sah ihre träume
vor den fenstern schweben
auf einlass wartend, um zu bleiben
bis zum morgen

die worte summten in
meinem kopf, bildeten ein gedicht
sie waren leicht, voller glück
meine schritte trugen sie

doch es kam ein donner,
es kam ein blitz
der schwarze himmel
grollte laut
schatten wuchsen aus dem boden
ihre gesichtlosen konturen
waren zu fürchten

ich lief und lief immer schneller
die angst kroch in mir hoch
nahm von meinen gedanken besitz
verschlang die schönen worte,
verschlang das ganze gedicht

es war für dich …

 

©Sella Moll /2019

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lebenselixier

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des alltags eintönige lieder summen in meine ohren, sie klingen alle gleich öde — du musst dies und jenes noch machen, hast du das hier schon erledigt — fragen sie mich ständig. die pflichten, sie zwicken und hetzen, als hätte man sonst nichts im leben; worte und sätze, die man noch schreiben wollte, buchstabenfilme, gedichte, für die fehlen noch worte muss ich auch noch suchen, zu den wolken hinaufschauen, dort sitzen sie gern und hängen bloß rum. ich muss sie zu mir rufen damit ich meine tägliche dosis von worten einatmen, noch etwas schreiben und den tag mit freude beenden kann; ein tag ohne worte geschrieben und gelesen zu haben ist nicht mein leben, ohne worte, ohne schreiben kann ich nicht sein — sie sind mein lebenselixier.

 

©Sella Moll /2019

Foto: eigene Kreation 😊 (Bildvorlage: pexels.com)

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Lyrischer Kalender – Mai 2019

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der wald ist eine wort-oase, jedes blatt der bäume wispert reime, von sonnenstrahlen berührt sind sie warm wie mein herz, wenn ich an dich denke, während du die bäume umarmst — ich bin eine von ihnen, umgeben von wald-worten in deinen armen … ©Sella Moll

das A und O

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der wind wirbelt meine worte durcheinander, sie fallen auseinander, buchstaben flattern unter den flügeln des windes, halten sich an wolken fest und rufen mich um hilfe — doch sie sind zu weit weg. der wind singt sein lied, bläst die wolken in die ferne, meine worte und buchstaben sind dahin; ich laufe ihnen hinterher, schon beginnt es zu regnen, die wolken waren zu schwer. meine worte hatten ganz schön gewicht, die wolken ertrugen den ballast nicht. die worte prasseln hernieder, ich klaube sie auf, doch wo ist das „A“, wo ist das „O“? sie sind wichtig, ohne die beiden geht gar nichts, ohne sie schreibe ich nichts; worte aus den richtigen buchstaben zusammenzusetzen ist das A und O für alle, die schreiben, das wissen wir doch …

 

© Sella Moll /2019

Bild: eigene Kreation 🙂

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