die wut zu besuch

Die Wut zu Besuch, frust, gedanken, zuversicht, vertrauen, träume, stimmungen, mutlosigkeit, sehnsucht, das leben, man kann nicht alles haben, schicksal, vorsehung, erfolg haben, kurzprosa, texte, blog. schreiben

die wut sitzt vor meinem fenster und starrt mich an, mischt sich in meine gedanken ein, verzerrt sie nach ihrem geschmack, indem sie ihnen die farben zeigt, die in meinem leben fehlen — doch kann ich sie auch haben …? nein, sagt die wut laut, sie sind nicht für dich bestimmt; möglich ist immer nur das, was für dich, in deinem leben möglich ist. sie macht mich wütend, die wut, dieses scheusal, sie gehört aus meinem dasein verbannt. die wut stiftet unruhe, vermiest meinen tag, sie schreit nach gerechtigkeit, sie will immer mehr …
sie bekämpft meine gelassenheit, untergräbt mein vertrauen, schlägt mit ihren fäusten ins gesicht meiner zuversicht, lacht über meine träume und sagt: das schaffst du nie! ignorieren müsste ich die wut, jedes mal, wenn sie so da sitzt, als wäre sie unsichtbar, als wäre sie stumm, ich müsste meine gedanken vor ihm in sicherheit bringen, damit sie ihnen nicht schaden, meine zuversicht, meine dankbarkeit mit ihren rebellischen tiraden nicht zerstören kann und mir meine freude am leben lässt, auch ohne die schönen farben aus meinen Träumen, die mich ein Leben lang begleiten.

 

©Sella Moll /2019

Photo Ⓒ David Nutter

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wenn die worte fehlen

wenn die worte fehlen, züge rasen, das leben, schicksal, glück, unglück, der zug des lebens, freude, leid, dankbarkeit, das leben ist unberechenbar, worte verstummen, das leid findet keine worte, kurzprosa, foto, gleise, eisenbahn,

worte rasen durch mein leben, alles was ich gesagt bekommen, alles was ich je gedacht, aber nicht immer gesagt hab‘ … worte, die wehgetan, die glücklich gemacht hatten, in vielen zügen hineingestopft rasen sie in allen himmelsrichtungen, querdurch in meinem leben, manchmal unterirdisch, im dunkel, ohne hoffnung, manchmal heben sie ab, berühren sterne und den mond, spüren die magie der wunder, die schwere und die leichtigkeit des seins. von allem, was es so gibt, tragen die worte etwas bei sich, aber vieles nicht, was andere trifft oder betrifft — das ganz schlimme, das ganz schwere nicht. ich hoffe, dass es so bleibt, und bin dankbar dafür, man weiß nie, was geschieht, oft so schnell, dass man es gar nicht begreift, weil dann die worte fehlen — wo sind sie, im welchen zug des lebens? man hört sie nicht mehr; das leid findet keine worte, das ganz schlimme, ganz schwere hat sie stumm und unsichtbar gemacht …

 

©Sella Moll /2019

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worte ohne gedanken

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wir malen
unsere gedanken
auf den rücken
der nacht

unter dem
purpurmantel
der morgendämmerung
verlieren sie langsam
ihre konturen

zurückbleiben nur
stumme worte ohne
gedanken
sind bedeutungslos
geworden

die sonne strahlt
auf ihre sinnlosigkeit herab
die gedanken, die wir malten,
nahm uns die nacht …

 

©Sella Moll /2019

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ein buch in der hand, die gedanken auf den wolken

ein buch in der hand, die gedanken auf den wolken, lesen, roman, bücher, literatur, geschichten, im lesen versinken, in eine geschichte eintauchen, bücherwurm, leseratte, buchliebhaber, lesen im freien, unvergessliches buch, erinnerung, foto, frau, see, natur,wenn du mit einem buch in der hand irgendwo draußen im freien sitzt und deine gedanken auf den wolken, weil sie für ein paar stunden von dir frei bekamen, damit du voll und ganz in die geschichte eintauchen kannst, ohne den üblichen lärm deiner gedanken.

wenn deine gesichtszüge entspannt, deine blicke auf den seiten von oben nach unten gleiten und der fluss der geschichte in dir immer breiter wird, du dich der strömung überlässt, hie und da ein strudel dich in die tiefe hinunterzieht, du die augenbrauen zusammenziehst, deine stirnfalten vor spannung erzittern und du immer schneller liest, weil du wissen willst, wie die geschichte endet.

wenn du das buch zusammenklappst und noch minutenlang in dich gekehrt verharrst,
nachdenkst, dich an den anfang der geschichte besinnst, das buch wieder öffnest, um die erste seite wieder zu lesen, damit du spürst, wie lange die reise gedauert hat, die du gerade beendet hast und am liebsten noch gar nicht zurückgekehrt wärst, zurück in die realität, in der dir alles so anders, so fremd erscheint, als in der welt, die du gerade besucht, dich an dem ort der geschichte heimisch gefühlt hast, mit den menschen dort mitgefiebert, mitgefühlt, sie zu mögen gelernt hast, nur um dich wieder von ihnen zu trennen, als der allerletzte satz von der letzten Buchseite in dein herz fiel, und ganz tief in deinem inneren versank, damit du dich immer an diese geschichte erinnerst.

an dieses Buch in deiner hand, irgendwo draußen im freien sitzend, in der gesellschaft von vielen neuen gedanken, während die alten, die lärm machenden immer noch auf den wolken verweilen, sich austoben, wie kinder, die sich unbeobachtet wissen. aber die neuen gedanken, sie sind leise, aus dem buch geboren — sie werden für immer bei dir bleiben.

 

©Sella Moll /2019

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worte in der stille

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die stille will
keine worte hören
sie trommeln
hinter der stirn
sagen dies und jenes
und meinen was anderes

ich spreche die worte aus
schon sind sie
verschwunden unter dem
zartgewebten mantel der stille

sie wollen es nicht gewesen sein,
diese gedanken
die schwermut
die wut
die angst
hinter meiner stirn

nun sind sie ruhig,
trommeln nicht mehr
sie sind jetzt frei,
fliegen mit den wolken
zum silberblauen mond …

 

©Sella Moll /2019

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